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September 06, 2019

Proserpina – Produktionstagebuch

6. September

Wie aus ersten kleinen Überlegungen durch den Sommer hindurch eine Kunstnot entstand, begreife ich erst nach und nach. Es ist ein unbestimmtes Gefühl, mit unbestimmtem Ausgang, ein Risiko, eben: das Leben.
So unbemerkt unauffällig hat sich dieser Goethe eingedrängt und eingeschrieen: I had the same problems. Sturm und Drang in allen Winkeln dieser Erde. Ewigkeiten sind nur ein Wimpernschlag, so what does this mean for so really scant time.
Unsere Jungschauspielerin Carla; wie despektierlich mir das auf einmal erscheint; Schauspielerin, wie gering. Wenn ein Mensch soviel Herzblut in die künstlerische Zusammenarbeit steckt, ist das Größe, ist das Reife, ist das Seele. Und was auch immer Ihr, unsere Zuschauer, darin erkennen mögt, ich weiß um die Mühe, das Ringen, um die Herkulesarbeit, die Carla in ihre erste große, abendfüllende monodramatische Arbeit steckt.
Ihre Opfer, Ihre Überwindung, Ihr Wollen, Ihre Klarheit und Schönheit, Ihre Strahlkraft.

Geplant als szenische Lesung?! Was wurde im Malstrom der Ereignisse dieses Sommers urplötzlich für ein Theateransatz, eine Performancekonstruktion daraus, die sich bedient am Bewegungsrepertoire eines Bondara, eines McGregor, eines Preljocaj oder Scarlett.

Wir stellen fest, Tanz ist da, wo Bewegung ist (nun gut, das stellen wir nicht wirklich fest, wir realisieren es neu); wir versuchen Sprache zu tanzen und werden Melodram. Wir emotionalisieren die doch, ach, so aktuellen modernen Texte Goethes, die nur immer wieder zeigen, dass die Menschenprobleme nicht so rasch Veränderungen unterworfen sind, wie uns die Gesellschaft manchmal glauben machen möchte…
wir machen einen Work in Progress daraus, Prozesskunst.

25. August

Die Proben laufen. Schon seit zwei Wochen kämpfen wir um Erkenntnis. Wir loten tiefenpsychologische Aspekte dieses Monodramas aus. Wir staunen, wie hochaktuell und großartig Goethe Probleme der Emanzipierung des eigenen Seins in wunderbare Verse werfen konnte. Wie hätten Freud und er ihre Freude gehabt.

Wir arbeiten an einem Bewegungsrepertoire, dass sich von der reinen Performance entfernt und ganz in Gedanken an Pina Bausch ist. Dennoch in ganz eigener Sprache. Jeder Körper spricht anders aus, was er fühlt. Jeder Mund stammelt anders Wortgedanken. Jede Liebesgeschichte hat ihr eigenes Universum; UNI VER SUM.

Begleiten Sie uns hier medial, begleiten Sie den Versuch einer Versuchsaufstellung; dann lernen Sie uns sehen, hören, fühlen, und vielleicht können Sie uns riechen… wenn Sie näher kommen; … noch näher. Treten Sie ein: