jo.art

Musisches Theater mit Elementen aus Tanz, Gesang und Sprache.
Januar 7
2020

TOSCA;rpia

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Zurückgezogen vom pulsierenden italienischen Leben befindet sich der Baron Scarpia, Polizeipräfekt von Rom, in seinem Arbeitszimmer im Palazzo Farnese.

Er scheut das Licht; er gestattet keinen Zutritt in sein dunkles Reich; er scheut die Öffentlichkeit und begibt sich nur selten zu Empfängen oder anderen öffentlichen Anlässen.
Sein Leben ist beherrscht von der geordneten, disziplinierten Verfolgung aller Arten von Staatsfeinden. Als Denkmal vergangener längst aufgebrochener Zeiten ist er ein erbitterter Gegner aller Kinder der Revolution.

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Carla Gesikiewicz als Tosca

Eines Tages bricht Roms pulsierendes Leben unerwartet in sein Reich ein, in Form der allseits berühmten Sängerin Floria Tosca, “La Tosca”, die Diva.
In einem Augenblick gerät die mühsam in Form gehaltene Welt des Baron Scarpia ins Wanken und öffnet ihre Tore für eine Flut aus Erinnerungen an eine Zeit unbeschwerter Jugend, erster Liebe, “Sturm und Dranges”.
Einmal losgelassen beginnen seine Sinne, beschränkt auf Spürhundtätigkeiten, wieder zu erleben und unaufhaltsam beginnt eine längst verschüttete Sehnsucht aufzubrechen.

Er muss erkennen, dass die Künstlerin Tosca dem religiös-politischen Polizeiinquisitor ähnlicher ist, als sein Weltbild ihm dies bisher offenbarte und sich, ihr verfallend, eine neue Göttin erschaffend, erkennt er in einem letzten Treffen, dass einzig sie ihm endgültige Erlösung zu bringen würdig ist.

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Bei “TOSCA;rpia” war ein Roman, der die Handlung der gleichnamigen Oper von Puccini verarbeitet, der Anreiz einer neuen eigenen Dramatisierung gewesen, die die Geschichte aus der Sicht des Polizeipräfekten Scarpia wiedergibt. Eine Neuübersetzung einzelner Szenen der Schauspielvorlage von Victorian Sardou, sowie Texte von Novalis, Schopenhauer, Hofmannsthal und E. T. A. Hoffmann bildeten das Gerüst für eine Inszenierung, die mit philosophischen Texten, kleinen Gesten, orchestraler Musik, Elementen des Tanzes und des Melodrams spielte, die versuchte, alle Sinne anzusprechen und Erinnerungen und Phantasie zu wecken.

Zu den Terminen.

Oktober 7
2019

Giya Kancheli

Wir haben mit großem Bedauern vernommen, dass Giya Kancheli am vergangenen Mittwoch, dem 2. Oktober, verstorben ist.

Die Produktion “Proserpina” wurde maßgeblich von seiner wunderbaren Musik inspiriert und wir sind ihm zu sehr großem Dank verpflichtet.
Sein Werk “Vom Winde beweint” begleitet mich seit 2010, als ich es durch den Tod meines Vaters kennenlernte. Immer habe ich in den vergangenen Jahren gehofft, dass mich dieses Werk zu einem neuen Theaterstück bringen würde. Nun ist es geschehen und umso mehr macht mich der plötzliche Tod betroffen und seltsam berührt.

Unser nächster Plan, die endliche Umsetzung von “Ein Endgang“, ein Werk dass sich intensiv mit Tod und Existenzbeweis auseinandersetzen soll, ist in den letzten zwei Wochen auch durch die Beschäftigung mit den Werken von Giya Kancheli weiter gereift. Und wir werden wohl noch oft an ihn denken während der Erarbeitung.

Danke für die Musik.

September 21
2019

Proserpina-Material

Wir möchten Ihnen, unseren Zuschauern, nach der erfolgreichen Premiere gestern, gerne den Text von Goethe als Material zur Verfügung stellen. Scheinbar ist das Monodrama nicht in allen Gesamtausgaben der Goethe-Werke vorhanden. Sie können den Text zwar auch auf der gutenberg.spiegel.de Seite finden, aber um es Ihnen bequemer zu machen, haben wir hier eine PDF-Datei erstellt und bieten sie Ihnen an.

Zusätzlich können Sie den Text auch als Ablauf- und Strukturbeschreibung herunterladen.

 

Für weitere Anregungen sind wir natürlich offen.

September 15
2019

Tanztheatralische Performance

Tanztheater, Performance, wie sollen wir es nennen?
Wann beginnt denn Tanz?
Ist denn nicht jede geführte und empfundene Bewegung Tanz?

Carla Gesikiewicz als Proserpina

Ist nicht auch gesprochenes Wort Tanz?

Die Sätze zu formulieren bedeutet doch Bewegung. Beabsichtigte, choreografierte. Und auf der Bühne stets auch reproduzierbare. Die Modulation, die Melodie der Sprache vereint die tänzerischen Komponenten der Musik mit der der Bewegung. Und die Sprache bedarf des ganzen Körpers um ihr komplettes Potential an Ausdrucksmöglichkeit zu entfalten.

Also ja: Alles ist Tanz. Nicht im klassischen Sinne, aber im Sinne der performativen Kunst allemal.

Wie stolz und glücklich und beseelt ich bin, mit Carla dieses Stück erarbeiten zu können, lässt sich an dieser Stelle hier nicht wiedergeben. Es ist eine Ausnahmesituation mit einer jungen Schauspielerin arbeiten zu dürfen, die aus ihrem innersten Selbst eine Qualität hervorbringen kann, die mir in meinen letzten zwanzig Jahren nur selten in der Arbeit begegnet ist.

So künstlerisch arbeiten zu können ist es, was mir immer vorgeschwebt hat, und so wird ein Werk geschaffen, das in absoluter Zusammenarbeit zu dem wird, was ich ohne Zögern als unsere Vorstellung von Theaterkunst nach außen tragen will.

Ein auf minimale Mittel zurückgeworfenes Stück, das in einer knappen Stunde aufzeigt, dass die Probleme zu Zeiten Goethes in den Phasen der Individualisierung nicht einen Deut geringer waren als heutzutage.

Ein Tanzkonstrukt, das, nach “tRaum 7/11/26“, weiter erforscht, inwieweit alle Körper tänzerische Formen ausdrücken, welche dieser individuell sind, und was ein philosophischer Blick auf Tanz in der Bedeutungswahrnehmung und der Symbolik von Choreografie zu ändern vermag.

Zugegeben, wir haben in der Vorarbeit, viel Recherche über die Arbeiten aktuell etablierter Choreografen geleistet, haben uns inspirieren lassen. Mehr jedoch über ihre Denkweise, denn ihr Bewegungsrepertoire. Das haben wir uns neu gesucht, und sind da erst am allerersten Anfang einer langen Reise.

Robert Bondara, Akram Khan, Angelin Preljocaj, Liam Scarlett, Richard Siegal und Wayne McGregor sind nur Vorbilder, keine Vorgeber. Pina Bausch nur tradierte Rechtfertigung für die Köpfe der Zuschauer.
Und trotzdem verehren und bewundern wir ihr Schaffen, schöpfen unendlich emotionale Kraft aus ihrem Wirken.

Sehnen, Hoffen, Schaffen, eine Not dazu ist immer noch brennend und lodert und bleibt.


What? MMM? Get Lost Hello F**K OFF!!! Don't touch me Hey! Just flyeing here Wanna Play? It's Boring Super Theme :D I'm just flyeing brain