/// TOSCA;rpia

Zurückgezogen vom pulsierenden italienischen Leben befindet sich der Baron Scarpia, Polizeipräfekt von Rom, in seinem Arbeitszimmer im Palazzo Farnese.

Er scheut das Licht; er gestattet keinen Zutritt in sein dunkles Reich; er scheut die Öffentlichkeit und begibt sich nur selten zu Empfängen oder anderen öffentlichen Anlässen.
Sein Leben ist beherrscht von der geordneten, disziplinierten Verfolgung aller Arten von Staatsfeinden. Als Denkmal vergangener längst aufgebrochener Zeiten ist er ein erbitterter Gegner aller Kinder der Revolution.

Eines Tages bricht Roms pulsierendes Leben unerwartet in sein Reich ein, in Form der allseits berühmten Sängerin Floria Tosca, „La Tosca“, die Diva.
In einem Augenblick gerät die mühsam in Form gehaltene Welt des Baron Scarpia ins Wanken und öffnet ihre Tore für eine Flut aus Erinnerungen an eine Zeit unbeschwerter Jugend, erster Liebe, „Sturm und Dranges“.
Einmal losgelassen beginnen seine Sinne, beschränkt auf Spürhundtätigkeiten, wieder zu erleben und unaufhaltsam beginnt eine längst verschüttete Sehnsucht aufzubrechen.

Er muss erkennen, dass die Künstlerin Tosca dem religiös-politischen Polizeiinquisitor ähnlicher ist, als sein Weltbild ihm dies bisher offenbarte und sich, ihr verfallend, eine neue Göttin erschaffend, erkennt er in einem letzten Treffen, dass einzig sie ihm endgültige Erlösung zu bringen würdig ist.

Bei „TOSCA;rpia“ ist ein Roman, der die Handlung der gleichnamigen Oper von Puccini verarbeitet, der Anreiz einer neuen eigenen Dramatisierung, die die Geschichte aus der Sicht des Polizeipräfekten Scarpia wiedergibt. Eine Neuübersetzung einzelner Szenen der Schauspielvorlage von Victorian Sardou, sowie Texte von Novalis, Schopenhauer, Hofmannsthal und E. T. A. Hoffmann bilden das Gerüst für eine Inszenierung, die mit philosophischen Texten, kleinen Gesten, orchestraler Musik, Elementen des Tanzes und des Melodrams spielt, die versucht, alle Sinne anzusprechen und Erinnerungen und Phantasie zu wecken.

Formal bietet das Stück die Möglichkeit, die Arten der Körpersprache zu erforschen, die sich im Laufe de Zeiten auseinanderentwickelt haben; Schauspiel, Musiktheater und Ballett hatten lange Zeit ihre eigenen Spielgesetze; zwar erfuhr das Theater eine wieder einsetzende Verschmelzung der Sparten (z.B. beim Tanztheater), die ursprünglich gemeinsame Wurzel von Tanz, Gestik, und Rhetorik ist dadurch aber nicht wieder hergestellt.

Jedoch kann die, im Zeitalter des Barocks noch vorhandene und bis Ende des 19. Jahrhunderts vorherrschende Gestik,  – eine Gestik, deren Rudimente gerade in der Oper noch sichtbar sind und die Bestandteil des klassischen Balletts sind -, als Form ihre Bedeutung gerade in der Sängerinnenfigur der „Floria Tosca“ wiederfinden und so als spielbarer Gegensatz zu dem Bewegungsrepertoire des „Baron Scarpia“ dastehen, der sich in monologischer Form mehr sprachlich darstellt.