Archiv: Julius Wolff

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Juni 23, 2017

Der fliegende Holländer

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»Vor ihm sind tausend Jahre wie ein Tag,«
Spricht der Psalmist. Des Meeres Wellenschlag,
Die Athemzüge seines Rauschens sind,
Ob sie nun schleppend gehen, ob geschwind,
Ein Puls der langen, langen Erdenzeit,
Und sie ist nur ein Hauch der Ewigkeit,
Wo Sonnen glühen und zu Eis erkalten,
Die jüngsten Sterne winterwüst veralten.

] Der fliegende Holländer… [

Was Menschen raschen Wortes »ewig« nennen,
Wenn sie sich lieben, und wenn sie sich trennen,
Wieviel ist’s länger, als die Blume blüht,
Die eines Sommermorgens Thau besprüht?

] Ein Seemannssage von Julius Wolff… [

Landflüchtig ist der Mensch in der Natur,
Sein Leben währt, wenn’s hoch kommt, siebzig Jahr,
Und wenn es herrlich, wenn es köstlich war,
So war es nichts, als Müh und Arbeit nur.
Ihn aber dünkt der alten Erde Rund,
Das seine Hütte trägt als sichrer Grund,
Der Boden, drauf er mit den Füßen steht,
Durch Noth und Tod mit seiner Liebe geht,
Die Scholle, die er pflügt mit seiner Schar,
Fest, unerschütterlich, unwandelbar.

] Mord… Liebe… Leid… Sehnsucht… Meer… [

Und ist es auch, so lange Menschen denken,
Erinnernd ins Vergangne sich versenken
Und sehnend, hoffend in die Zukunft schauen,
Der ihres Herzens Wünsche sie vertrauen.
So rauschte schon das Meer, wie’s heute rauscht,
Bevor es noch ein Menschenohr belauscht;
So sah es der, der mit dem Steinbeil schlug,
Des Höhlenbären Haut als Mantel trug,
So sahn es die phönizischen Triremen,
Die Griechenflotten und beim Beutenehmen
Wikinger Drachen, so der Hansa Ehren
Und so Venedigs kreuzende Galeeren,
So wird es sehn der Letzte, der’s befährt,
Der letzte Fischer, der von ihm sich nährt.
Wenn es sich leise schwingend senkt und hebt,
Sein schimmernd Blau von keinem Sturm durchbebt,
Am Tage sonnig glänzt und lockt und lächelt,
Mit sachtem Wogengange Kühlung fächelt,
Und sich bei Nacht aus ihrer Weltenferne
In seinem Spiegel schau’n die goldnen Sterne,
Verräth es nicht, was unter seiner Fluth,
Von Finsterniß umhüllt, im Tiefen ruht.
Da liegt manch Anker, dessen Kette riß,
Manch eine Kugel, die durch Segel biß,
Und weit davon vielleicht dasselbe Rohr,
Aus dem sie in der Seeschlacht schoß hervor.

] vorgelesen in vier Teilen an zwei Abenden… [

Da schlummern einsam menschliche Gebeine,
Nicht zugedeckt mit einem Marmorsteine,
Gebeine derer, die im Schreckensdrang
Des Schiffbruchs fanden ihren Untergang.
Nicht Alle doch, die hilflos von den Planken
Herabgespült, versanken und ertranken,
Ruhn unbestattet in der Tiefe Schoß
Versandend aus vom harten Seemannsloos.

Manch Einen trägt die Welle wohl zu Land
Und bettet sanft ihn auf bewohnten Strand,
Da findet er mit Kreuz und Nummerstab
In Frieden dann ein namenloses Grab. *

] wieder im Herbst [

* Aus „Der fliegende Holländer“ von Julius Wolff.

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Oktober 05, 2016

In Ewigkeit auf See

 

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»Vor ihm sind tausend Jahre wie ein Tag,«
Spricht der Psalmist. Des Meeres Wellenschlag,
Die Athemzüge seines Rauschens sind,
Ob sie nun schleppend gehen, ob geschwind,
Ein Puls der langen, langen Erdenzeit,
Und sie ist nur ein Hauch der Ewigkeit,
Wo Sonnen glühen und zu Eis erkalten,
Die jüngsten Sterne winterwüst veralten.

] Der fliegende Holländer… [

Was Menschen raschen Wortes »ewig« nennen,
Wenn sie sich lieben, und wenn sie sich trennen,
Wieviel ist’s länger, als die Blume blüht,
Die eines Sommermorgens Thau besprüht?

] Ein Seemannssage von Julius Wolff… [

Landflüchtig ist der Mensch in der Natur,
Sein Leben währt, wenn’s hoch kommt, siebzig Jahr,
Und wenn es herrlich, wenn es köstlich war,
So war es nichts, als Müh und Arbeit nur.
Ihn aber dünkt der alten Erde Rund,
Das seine Hütte trägt als sichrer Grund,
Der Boden, drauf er mit den Füßen steht,
Durch Noth und Tod mit seiner Liebe geht,
Die Scholle, die er pflügt mit seiner Schar,
Fest, unerschütterlich, unwandelbar.

] Mord… Liebe… Leid… Sehnsucht… Meer… [

Und ist es auch, so lange Menschen denken,
Erinnernd ins Vergangne sich versenken
Und sehnend, hoffend in die Zukunft schauen,
Der ihres Herzens Wünsche sie vertrauen.
So rauschte schon das Meer, wie’s heute rauscht,
Bevor es noch ein Menschenohr belauscht;
So sah es der, der mit dem Steinbeil schlug,
Des Höhlenbären Haut als Mantel trug,
So sahn es die phönizischen Triremen,
Die Griechenflotten und beim Beutenehmen
Wikinger Drachen, so der Hansa Ehren
Und so Venedigs kreuzende Galeeren,
So wird es sehn der Letzte, der’s befährt,
Der letzte Fischer, der von ihm sich nährt.
Wenn es sich leise schwingend senkt und hebt,
Sein schimmernd Blau von keinem Sturm durchbebt,
Am Tage sonnig glänzt und lockt und lächelt,
Mit sachtem Wogengange Kühlung fächelt,
Und sich bei Nacht aus ihrer Weltenferne
In seinem Spiegel schau’n die goldnen Sterne,
Verräth es nicht, was unter seiner Fluth,
Von Finsterniß umhüllt, im Tiefen ruht.
Da liegt manch Anker, dessen Kette riß,
Manch eine Kugel, die durch Segel biß,
Und weit davon vielleicht dasselbe Rohr,
Aus dem sie in der Seeschlacht schoß hervor.

] vorgelesen an vier Abenden… [

Da schlummern einsam menschliche Gebeine,
Nicht zugedeckt mit einem Marmorsteine,
Gebeine derer, die im Schreckensdrang
Des Schiffbruchs fanden ihren Untergang.
Nicht Alle doch, die hilflos von den Planken
Herabgespült, versanken und ertranken,
Ruhn unbestattet in der Tiefe Schoß
Versandend aus vom harten Seemannsloos.

Manch Einen trägt die Welle wohl zu Land
Und bettet sanft ihn auf bewohnten Strand,
Da findet er mit Kreuz und Nummerstab
In Frieden dann ein namenloses Grab. *

] ab heute Abend… 19 Uhr ** [

 

* Aus „Der fliegende Holländer“ von Julius Wolff.
** 2. Teil am Freitag, 7.10., 20 Uhr; 3. Teil am Mittwoch, 12.10., 19 Uhr; 4.Teil am Samstag, 15.10., 20 Uhr.

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September 25, 2016
Geschrieben von: , Kategorie: HerbstZeitLesungen

HerbstZeitLesungen 2016

HerbstZeitLesungen2016

Liebe Freunde und Gäste von jo.art, es ist soweit: Die HerbstZeitLesungen 2016 werden dieses Jahr ab dem 5. Oktober in unserer Kulturdornse, An der Untertrave 70, stattfinden. Das ausführliche Programm finden Sie hier auf unserer Seite unter HerbstZeitLesungen (bei Veranstaltungen). Nach dem recht erfolgreichen Start unserer Lesereihen in Lübeck mit den SommerNachtsLesungen, werden wir nun vier Reihen im Jahr anbieten, in jeder Jahreszeit eine.

Da wir einen kleinen, feinen und eleganten Rahmen anstreben, in dem die Lesungen stattfinden sollen, mit höchstens zwanzig Gästen, werden wir uns auch bemühen von Reihe zu Reihe den Raum und die Infrastruktur weiter zu entwickeln. Zum Start der HerbstZeitLesungen haben wir rechtzeitig zwanzig neue Stühle bekommen, die Ihnen für die meist nicht länger als eine Stunde dauernden Lesungen einen angenehmen Sitzkomfort bieten.

Auf das eine oder andere würden wir an dieser Stelle noch gern hinweisen:
Da wir eben nur zwanzig Plätze haben, bitten wir Sie inständig, sich Ihre Plätze rechtzeitig über unsere Seite hier zu reservieren.
Es täte uns leid, wenn wir Sie am Abend nicht mehr einlassen könnten, weil Sie es spontan versuchen und wir schon ausgebucht sind.
Da es bei den HerbstZeitLesungen auch noch vier Plätze gibt, die von vornherein vergeben sind (unter anderem werden zwei stets bei TwoTickets – kleiner Tip – verlost), haben wir also letzen Endes für diese Reihe nur sechzehn Plätze.

][

Dann beachten Sie bitte, dass wir es begrüßen würden, dass Sie bei einer bestehenden Erkältung oder anderen möglicherweise ansteckenden Befindlichkeiten doch bitte Ihre Reservierung stornieren; aus Rücksicht auf die anderen Gäste und uns, die wir noch viele weitere Lesungen haben.

Und schließlich bitten wir die Damen, doch stets auf Schuhe mit Pfennigabsätzen zu verzichten, da ein sehr wertvoller, aber leider auch recht druckempfindlicher Holzboden verlegt ist.

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September 04, 2016

Nach Sylt

Der fliegende Holländer

Im Hafen von Allerheiligenbai treffen drei Seemänner nach langen Jahren aufeinander. Edzard Truelsen und Früd Buncken tauschen im Sonnenuntergang Neuigkeiten aus, als Tyn van Straten mit seinem Schiff einläuft. Auf Nachfragen Edzard erzählt Früd von seiner Freundschaft zu Tyn, dem er einst gar das Leben rettete. Und er erzählt von Ingeborg, die Tyn geheiratet hatte, und die er einem armen Tropf vor der Nase wegfreite, auch im Sinne ihres Vaters, der das Ansehen und den Reichtum Tyns wohl schätzte. Der arme Tropf war Edzard, der damals noch meinte, ihr nichts bieten zu können und warten wollte, bis er Kapitän und wohlangesehen wäre.

Am Spieltisch abends in der Schenke entspinnt sich die Rivalität zwischen Tyn und Edzard erneut. Nach langem Kartenspiel, bei dem der eine erst und dann der andere gewinnt und auch verliert, schließlich aber Edzard die Oberhand gewinnt, setzt Tyn schließlich seinen Ehering und  seine Frau als Spieleinsatz. Edzard gewinnt das Spiel.

Auf dem Heimweg versucht Früd seinen Freund Tyn davon zu überzeugen, dass er dieses frevelhafte Spiel rückgängig machen soll, für sein und Edzards Seelenheil. Tyn, ein nicht nur spielsüchtiger sondern auch harter, draufgängerischer und unbeugsamer Charakter verweigert dies nicht nur, sondern in dem immer aufbrausenderen Streit ersticht er seinen Freund. Sterbend verflucht dieser Tyn und seine Haltung.

Tyn eilt an Bord und befiehlt in See zu stechen, verfolgt von Früds totem Angesicht.

Edzard fährt nach Amsterdam, um seinen Gewinn einzulösen. Drei Jahre soll Ingeborg sein Weib sein, bevor er sie am Kap der guten Hoffnung an Tyn van Straten zurückgeben muss; so war der Einsatz beim Spiel gesetzt.

Er findet sie, und sie liebt ihn wie damals, überglücklich, weil von Tyn nicht gut behandelt, dass Edzard ihr nun erzählt, Tyn sei gestorben. Eine rasch und unüberlegte Nachricht, die aber das Glück der Beiden möglich macht.

Um nicht heiraten zu müssen ziehen beide auf die Insel Sylt und bauen sich ein neues Leben auf. Bald sind sie geachtet bei den Einwohnern und Edzard wird zum Strandvogt gewählt. Die Bitten Ingeborgs, den Bund der Ehe zu schließen, verhallen indes unerhört bei ihm.

Erfahren Sie, wie es weitergeht, indem Sie hier Karten für den dritten und vierten Teil reservieren.

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August 31, 2016

Edzard Truelsen

Edzard Truelsen hat am Spieltisch seine große Liebe gewonnen.

Vor Jahren war er nicht mutig genug, um ihre Hand anzuhalten; er hatte damals noch nichts vorzuweisen, hatte kein Geld, und meinte sie nicht versorgen zu können. Ihr Vater vermählte sie daraufhin mit Tyn van Straten, einem draufgängerischen, spiel- und machtsüchtigen Kapitän, der es schaffte, eine Zeitlang für sie seine schlechten Gewohnheiten zu bezwingen…
Nun, nach Jahren, treffen die beiden Männer durch Zufall bei „Baretto’s“ im Hafen wieder aufeinander. Edzard lässt sich auf das von Tyn schnell geforderte abendliche Kartenspiel ein, gewinnt Abzug auf Abzug, und zuletzt die schriftliche Zusicherung, Ingeborg, seine verlorene Liebe, für drei Jahre zu „besitzen“, um sie dann am Kap der Guten Hoffnung wieder an Tyn van Straten übergeben zu müssen…
Eine wahrhaft schändliche Abmachung.
Das versucht auch beider Freund, Früd Buncken, Tyn zu erklären… Es kommt zum Streit, in dem Tyn Früd ersticht… Im Sterben verflucht Früd seinen Freund, und mit diesem Fluch hat Tyn ab nun zu leben.

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Soweit der erste Teil der Seemannssage „Der fliegende Holländer“ von Julius Wolff (Bild), den wir gestern in unserer Kulturdornse in unserer Reihe SommerNachtsLesungen gaben. Heute Abend liest Stephan Joachim den zweiten Teil. Nächsten Dienstag und Mittwoch gibt es dann den dritten und vierten Teil.
Wenn Ihnen die kurze Zusammenfassung oben Lust aufs Zuhören gemacht hat, so schauen Sie heute gern vorbei…

Wenn Sie Karten für diese oder eine der kommenden Lesungen reservieren möchten, können Sie das hier.

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Juli 11, 2012
Geschrieben von: , Kategorie: jo.art, Lesung, Veranstaltungen

Die Sage vom Fliegenden Holländer

»Vor ihm sind tausend Jahre wie ein Tag,«
Spricht der Psalmist. Des Meeres Wellenschlag,
Die Athemzüge seines Rauschens sind,
Ob sie nun schleppend gehen, ob geschwind,
Ein Puls der langen, langen Erdenzeit,
Und sie ist nur ein Hauch der Ewigkeit,
Wo Sonnen glühen und zu Eis erkalten,
Die jüngsten Sterne winterwüst veralten.
Was Menschen raschen Wortes »ewig« nennen,
Wenn sie sich lieben, und wenn sie sich trennen,
Wieviel ist’s länger, als die Blume blüht,
Die eines Sommermorgens Thau besprüht?
Landflüchtig ist der Mensch in der Natur,
Sein Leben währt, wenn’s hoch kommt, siebzig Jahr,
Und wenn es herrlich, wenn es köstlich war,
So war es nichts, als Müh und Arbeit nur.

So beginnt der Epilog der anrührenden und hochdramatischen Verserzählung „Der fliegende Holländer“ von Julius Wolff, die den Anfang unserer Lesereihe SommerNachtsLesungen ab dem 1. September im Theater Viel Lärm Um Nichts in München machen wird.
Sind Sie dabei, wenn Edzard seine über alles geliebte Frau vom Holländer Tyn van Straten erhält?
Und erleben Sie mit, wie die beiden sich ein Leben voller Liebe und Romantik auf einer Insel in der Nordsee aufbauen?
Zittern Sie mit, wenn Edzard seine Ingeborg, Wort haltend, zurück zum Kap der Guten Hoffnung bringt, um Sie dem Holländer zurück zu geben (warum erfahren Sie ebenfalls am Abend!)?
Und wenn Sie durch halten, erfahren Sie um kurz vor Mitternacht, nach zwei Pausen und viel Madeira, wie die Geschichte im Meer um das Kap der Guten Hoffnung seinen hochdramatischen und zutiefst bewegenden Ausgang nimmt.
Und wie die Sage vom Fliegenden Holländer entstand.

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Mai 05, 2010
Geschrieben von: , Kategorie: jo.art, Lesung, Veranstaltungen

Der fliegende Holländer

Die Verserzählung stammt von dem deutschen Dichter Julius Wolff, der am 16. September 1834 in Quedlinburg geboren wurde.

Julius Wolff
Als Sohn eines Tuchfabrikanten besuchte er das Gymnasium in Quedlinburg. Es folgten Studium derJulius Wolff Philosophie und Wirtschaftswissenschaften in Berlin und mehreren Bildungsreisen. Danach übernahm er das Geschäft seines Vaters, das er jedoch nach finanziellen Verlusten 1869 wieder aufgab.

1872 ließ er sich als freier Schriftsteller in Berlin nieder.
1884 wurde er Ehrenbürger von Hameln.
1904 erhielt er den Professorentitel.

Gestorben ist er am 3. Juni 1910 in Berlin-Charlottenburg.