Archiv: Friedrich Nietzsche

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Januar 24, 2017
Geschrieben von: , Kategorie: Ein Endgang, Empfehlungen, WinterAbendLesungen

Vom Leben hin zum Tod

Der Januar neigt sich schon dem Ende zu, und wir geben mit den letzten beiden Lesungen der Kälte und dem Vergehen noch einmal Raum: Am kommenden Freitag, 27. Januar um 20 Uhr, präsentieren wir unserem Publikum mit der Lesung von „Ein Endgang“ schon im Vorfeld der Inszenierung dieses Werkes die Textcollage.

Was passiert im Übergang vom Lebendigen zum Tod? Was macht diesen Augenblick aus? Wie können wir Menschen begreifen, dass unsere Liebsten eben noch ihren Blick auf uns richteten, nun aber nur noch leblose Hülle sind?Mit diesen Gedanken beschäftigt sich eine Zusammenstellung von Texten klassischer Literatur, die aufeinander abgestimmt die Grundlage für eine Spielsituation erschaffen, deren Umsetzung im performativen Charakter wir im Sommer anbieten.

Um Sie von Anfang an am Entstehungsprozess teilhaben zu lassen, beginnen wir die kreative Phase mit der Lesung dieser Textpassagen von Gustav Falke, Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke, Gottfried Schmidt und Georg Trakl.

Das Stück für drei Personen (Der „Mann“, die „Frau“, das „Wesen“) wird von Carla Gesikiewicz, die in der Inseznierung das „Wesen“ spielen wird, von Annette Gleixner (als „Frau“) und Stephan Joachim (als „Mann“) gelesen.

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Genießen Sie im gemütlichen und exklusiven Rahmen unserer Kulturdornse bei einem guten Schluck den Abend. Im Anschluss freuen wir uns auf anregende Gespräche, um weitere Antworten auf Goethes Frage zu erhalten:

„Wie machen wir’s, daß alles frisch und neu
Und mit Bedeutung auch gefällig sei?“

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Mai 28, 2012
Geschrieben von: , Kategorie: Ein Endgang, jo.art, Veranstaltungen

Ein Endgang – Skizzen

Möglich: Ein Mann; möglich: Eine Frau; angenommen: Ein Mann sitzt, er sinniert, er weiß um seinen Tod. Er wartet.

Auf der anderen Seite, möglich: Eine Frau; möglich: Ein Mann; angenommen: Eine Frau sitzt, sie schreibt, sie erinnert ihr Sein.
Sie ist die Erinnerung und die Sehnsucht und die Begleiterin – des Mannes.

Dann: Unfassbar, seiend, aber Anteil des Mannes, ein Wesen: Engel, Tod, Richter, Ma`at.

Vorgang? Keiner.

Der Mann wartet; das intensiv und Zwischenwelten evozierend.
Das Wesen geht durch den Raum, es verkörpert Zeit, Sein und Vergehen, Sein und Werden; es ist Norn und Ma`at.
Seine Berührung wühlt in der Linearität der Zeit. Neben seinem Geleiten in diesem Falle, geleitete und geleitet es Tausende zuvor, danach. Wir sehen sie nicht, aber ihre Hüllen, ihre warme duftende Kleidung, wird von ihm einher- und dahingetragen. Es nimmt sie an sich, um sich mit dem Hauch einer Ahnung vergangener Seele zu umhüllen und zu bedecken. Und es vollbringt einen Weg; dann sie ablegend, umkehrend, zur Seite tröstend, langt es erneut bei einer sterbenden Seele an, auch sie übernehmend.

Zurück zum Mann. Wir nehmen an, seiner Haltung entdeutend, er weiß zum Sterben trauriges Wissen.
Dann kommt der Augenblick, in dem zur Klarheit sich festigt das Wissen: Nun ist sie da: Die Unausweichlichkeit. Keine Hoffnung, kein Aufschub, kein Zurück! Die ERKENNTNIS.
Und gleichsam, wie man behauptet, das Leben ziehe vorbei, erinnert er sich doch nur an: Sein Glück und Elend, sein Hohes und Tiefes; Und: seine Geleitungen des Erdenseins. Sein ergänzendes, ihn vervollkommnendes Sein: Das Prinzip Weiblichkeit, gegenübergestellt dem Prinzip Mannheit. ERINNERUNG: Prinzip des Bewusst-Seins.

Nachgerade versagt der Wunsch des Bleibens und die Neugier auf den NU erwacht. Sein Wollen ist nun Abschied, seine Bereitschaft. Und ein Strudel, unbewiesen, voller Poesie, voller Euphorie erfasst das Sein. Und in einem Nu ist Präsenz Absenz. Und dann?

Gegangen ist sein SIE. Und unfassbar. Ein Tod: Mutter, Vater, Gattin, Kind, Selbst.

Was wird? Prüfung? Weiterdauern? Transformation? Unfassbarkeit. Glaube. Amen

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