Archiv: Der fliegende Holländer

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November 03, 2017

Passagen

„Das Meer ist schwarz und tief. Und wenn man hineinfällt stirbt man.
Sie zog den Finger aus dem Sand und blickte hinaus auf das schwarze Ungeheuer, das sie ihren Geliebten nannte.
Nebel lag über dem grauen Strich, der die Ewigkeit von ihrer Welt trennte.
Eine Schaumwelle umschmeichelte ihren schlanken Fuß.
Trotz der Zierlichkeit trotzte er knochig dem Naß.
Auf dem Rückzug dieser Liebesschwüre vernichtete die Welle die Schrift, als ob sie in uraltem Hohn sprach, von Ewigkeiten, von Erbärmlichkeit.“

Nicht gegensätzlicher, nicht gemeinsamer könnten die sagenhaften Märchen um den „Fliegenden Holländer“ und den „Blaubart“ sein.
In zahlreichen Fassungen tauchen beide Figuren in unterschiedlichen Interpretationen auf. Immer geht es um Sehnsucht, Erlösung und Verdammnis.
Als Musiker ist uns die Oper von Richard Wagner mit eine der nächsten Geschichten um den Holländer, aber vor einiger Zeit entdeckten wir auch das Versepos von Julius Wolff, das wir auch innerhalb der LenzLustLesungen präsentieren. Die Erzählung um Blaubart und seine Frauen ist ebenfalls vielfältig in der Kunst verarbeitet worden. Die bekanntesten Werke sind sicherlich die Oper „Blaubarts Burg“, auf deren Grundlage jo.art bereits 2001 einen Tanztheaterabend kreierte. Aber auch die Oper von Dukas „Ariane et Barbe-Bleue“ ist eine wunderbare Umsetzung. Weiter gibt es vielfache Märchenfassungen neben der von Perrault und den Gebrüdern Grimm.

Die umfangreiche Beschäftigung mit beiden Sujets führte schon sehr früh zu dem Wunsch, aus beiden Geschichten eine tiefsinnige Erzählung zu schaffen.

Die hier vorgestellte Buchfassung ist eine poetische Auseinandersetzung mit beiden Geschichten, mit der Todes-, Liebes- und Erlösungssehnsucht, und bietet viel Freiraum für emotionale und gedankliche Assoziationen.

Erleben Sie also die Geschichte um Senta, Ohto und dem Holländer in gemütlicher Runde mit einem guten Schluck bei uns in der Kulturdornse.
Wir freuen uns auf Sie.

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November 01, 2017

Der fliegende Holländer

der_fliegende_hollaender

»Vor ihm sind tausend Jahre wie ein Tag,«
Spricht der Psalmist. Des Meeres Wellenschlag,
Die Athemzüge seines Rauschens sind,
Ob sie nun schleppend gehen, ob geschwind,
Ein Puls der langen, langen Erdenzeit,
Und sie ist nur ein Hauch der Ewigkeit,
Wo Sonnen glühen und zu Eis erkalten,
Die jüngsten Sterne winterwüst veralten.

] Der fliegende Holländer… [

Was Menschen raschen Wortes »ewig« nennen,
Wenn sie sich lieben, und wenn sie sich trennen,
Wieviel ist’s länger, als die Blume blüht,
Die eines Sommermorgens Thau besprüht?

] Ein Seemannssage von Julius Wolff… [

Landflüchtig ist der Mensch in der Natur,
Sein Leben währt, wenn’s hoch kommt, siebzig Jahr,
Und wenn es herrlich, wenn es köstlich war,
So war es nichts, als Müh und Arbeit nur.
Ihn aber dünkt der alten Erde Rund,
Das seine Hütte trägt als sichrer Grund,
Der Boden, drauf er mit den Füßen steht,
Durch Noth und Tod mit seiner Liebe geht,
Die Scholle, die er pflügt mit seiner Schar,
Fest, unerschütterlich, unwandelbar.

] Mord… Liebe… Leid… Sehnsucht… Meer… [

Und ist es auch, so lange Menschen denken,
Erinnernd ins Vergangne sich versenken
Und sehnend, hoffend in die Zukunft schauen,
Der ihres Herzens Wünsche sie vertrauen.
So rauschte schon das Meer, wie’s heute rauscht,
Bevor es noch ein Menschenohr belauscht;
So sah es der, der mit dem Steinbeil schlug,
Des Höhlenbären Haut als Mantel trug,
So sahn es die phönizischen Triremen,
Die Griechenflotten und beim Beutenehmen
Wikinger Drachen, so der Hansa Ehren
Und so Venedigs kreuzende Galeeren,
So wird es sehn der Letzte, der’s befährt,
Der letzte Fischer, der von ihm sich nährt.
Wenn es sich leise schwingend senkt und hebt,
Sein schimmernd Blau von keinem Sturm durchbebt,
Am Tage sonnig glänzt und lockt und lächelt,
Mit sachtem Wogengange Kühlung fächelt,
Und sich bei Nacht aus ihrer Weltenferne
In seinem Spiegel schau’n die goldnen Sterne,
Verräth es nicht, was unter seiner Fluth,
Von Finsterniß umhüllt, im Tiefen ruht.
Da liegt manch Anker, dessen Kette riß,
Manch eine Kugel, die durch Segel biß,
Und weit davon vielleicht dasselbe Rohr,
Aus dem sie in der Seeschlacht schoß hervor.

] vorgelesen in vier Teilen an zwei Abenden… [

Da schlummern einsam menschliche Gebeine,
Nicht zugedeckt mit einem Marmorsteine,
Gebeine derer, die im Schreckensdrang
Des Schiffbruchs fanden ihren Untergang.
Nicht Alle doch, die hilflos von den Planken
Herabgespült, versanken und ertranken,
Ruhn unbestattet in der Tiefe Schoß
Versandend aus vom harten Seemannsloos.

Manch Einen trägt die Welle wohl zu Land
Und bettet sanft ihn auf bewohnten Strand,
Da findet er mit Kreuz und Nummerstab
In Frieden dann ein namenloses Grab. *

] am Freitag, 3. November, 20 Uhr. [

* Aus „Der fliegende Holländer“ von Julius Wolff.

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Oktober 05, 2016

In Ewigkeit auf See

 

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»Vor ihm sind tausend Jahre wie ein Tag,«
Spricht der Psalmist. Des Meeres Wellenschlag,
Die Athemzüge seines Rauschens sind,
Ob sie nun schleppend gehen, ob geschwind,
Ein Puls der langen, langen Erdenzeit,
Und sie ist nur ein Hauch der Ewigkeit,
Wo Sonnen glühen und zu Eis erkalten,
Die jüngsten Sterne winterwüst veralten.

] Der fliegende Holländer… [

Was Menschen raschen Wortes »ewig« nennen,
Wenn sie sich lieben, und wenn sie sich trennen,
Wieviel ist’s länger, als die Blume blüht,
Die eines Sommermorgens Thau besprüht?

] Ein Seemannssage von Julius Wolff… [

Landflüchtig ist der Mensch in der Natur,
Sein Leben währt, wenn’s hoch kommt, siebzig Jahr,
Und wenn es herrlich, wenn es köstlich war,
So war es nichts, als Müh und Arbeit nur.
Ihn aber dünkt der alten Erde Rund,
Das seine Hütte trägt als sichrer Grund,
Der Boden, drauf er mit den Füßen steht,
Durch Noth und Tod mit seiner Liebe geht,
Die Scholle, die er pflügt mit seiner Schar,
Fest, unerschütterlich, unwandelbar.

] Mord… Liebe… Leid… Sehnsucht… Meer… [

Und ist es auch, so lange Menschen denken,
Erinnernd ins Vergangne sich versenken
Und sehnend, hoffend in die Zukunft schauen,
Der ihres Herzens Wünsche sie vertrauen.
So rauschte schon das Meer, wie’s heute rauscht,
Bevor es noch ein Menschenohr belauscht;
So sah es der, der mit dem Steinbeil schlug,
Des Höhlenbären Haut als Mantel trug,
So sahn es die phönizischen Triremen,
Die Griechenflotten und beim Beutenehmen
Wikinger Drachen, so der Hansa Ehren
Und so Venedigs kreuzende Galeeren,
So wird es sehn der Letzte, der’s befährt,
Der letzte Fischer, der von ihm sich nährt.
Wenn es sich leise schwingend senkt und hebt,
Sein schimmernd Blau von keinem Sturm durchbebt,
Am Tage sonnig glänzt und lockt und lächelt,
Mit sachtem Wogengange Kühlung fächelt,
Und sich bei Nacht aus ihrer Weltenferne
In seinem Spiegel schau’n die goldnen Sterne,
Verräth es nicht, was unter seiner Fluth,
Von Finsterniß umhüllt, im Tiefen ruht.
Da liegt manch Anker, dessen Kette riß,
Manch eine Kugel, die durch Segel biß,
Und weit davon vielleicht dasselbe Rohr,
Aus dem sie in der Seeschlacht schoß hervor.

] vorgelesen an vier Abenden… [

Da schlummern einsam menschliche Gebeine,
Nicht zugedeckt mit einem Marmorsteine,
Gebeine derer, die im Schreckensdrang
Des Schiffbruchs fanden ihren Untergang.
Nicht Alle doch, die hilflos von den Planken
Herabgespült, versanken und ertranken,
Ruhn unbestattet in der Tiefe Schoß
Versandend aus vom harten Seemannsloos.

Manch Einen trägt die Welle wohl zu Land
Und bettet sanft ihn auf bewohnten Strand,
Da findet er mit Kreuz und Nummerstab
In Frieden dann ein namenloses Grab. *

] ab heute Abend… 19 Uhr ** [

 

* Aus „Der fliegende Holländer“ von Julius Wolff.
** 2. Teil am Freitag, 7.10., 20 Uhr; 3. Teil am Mittwoch, 12.10., 19 Uhr; 4.Teil am Samstag, 15.10., 20 Uhr.