/// Salomé

Eines der Werke des Fin de Siècle, das uns bis heute in seiner monströsen Erotik begeistern und verstören kann, ist wohl Oscar Wildes Tragödie „Salomé
Wie wenig andere Werke atmet es die Dekadenz und die Hingeworfenheit jener Zeit. Und dabei behält die archetypische Lolita-Thematik Aktualität.
Ein biblisches Thema, das Religiösität und Frivolität in einer Art aufeinanderprallen lässt, die zu heftigen Diskussionen auf- und anregt.

Marina Tinz als Salomé

Herodes hatte ausgesandt und Johannes ergriffen und ins Gefängnis geworfen um der Herodias willen, der Frau seines Bruders Philippus; denn er hatte sie geheiratet.
Johannes aber hatte zu Herodes gesagt: Es ist nicht erlaubt, dass du die Frau deines Bruders hast.
Herodias aber stellte ihm nach und wollte ihn töten und konnte es nicht.
Denn Herodes fürchtete Johannes, weil er wusste, dass er ein gerechter und heiliger Mann war, und hielt ihn in Gewahrsam; und wenn er ihn hörte, wurde er sehr unruhig; doch hörte er ihn gern.
Und es kam ein gelegener Tag, als Herodes an seinem Geburtstag ein Festmahl gab für seine Großen und die Obersten und die Vornehmsten von Galiläa.
Da trat herein seine Tochter, die von Herodias, und tanzte, und sie gefiel Herodes und denen, die mit zu Tisch lagen. Da sprach der König zu dem Mädchen: Bitte von mir, was du willst, ich will dir’s geben.
Und er schwor ihr feierlich: Was du von mir bittest, will ich dir geben, bis zur Hälfte meines Königreichs.
Und sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich bitten? Die sprach: Das Haupt Johannes des Täufers.
Da ging sie sogleich eilig hinein zum König, bat ihn und sprach: Ich will, dass du mir gibst, jetzt gleich auf einer Schale, das Haupt Johannes des Täufers.
Und der König wurde sehr betrübt. Doch wegen der Eide und derer, die mit zu Tisch lagen, wollte er sie nicht abweisen.
Und alsbald schickte der König den Henker hin und befahl, das Haupt des Johannes herzubringen. Der ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis
und trug sein Haupt herbei auf einer Schale und gab’s dem Mädchen, und das Mädchen gab’s seiner Mutter.
Und da das seine Jünger hörten, kamen sie und nahmen seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab.
(Markus 6, 14-29)

Anne Patzer als Salomé

Wir verlegen das Werk in eine Zeit, die das ausgehende 19. und beginnende 20. Jahrhundert atmet und in einen Salon.
Besonders interessiert uns an dem Werk die in der Figur der Salomé angelegte postpubertäre Seelenwelt.
Salomé handelt bereits erwachsen, reagiert doch aber überaus kindlich geblieben, und ist sich durchaus ihrer Wirkung, der Wirkung ihres Körpers auf die Männerwelt unbewusst bewusst.

Das Lolita-Thema hat seit Anbeginn die Künstlerwelt inspiriert. Und auch hier zeigt sich, wie sehr Kunst die elementaren Archetypen zu behandeln sucht. Was ist Salomé mehr als das Sehnsuchtsbild eines Mannes durch alle Alter, sich effektiv zu verbreiten, und sich zurückzuwünschen in die eigene Postpubertät.
Und so ist denn auch Salomés Tanz, der Tanz der sieben Schleier, die zentrale Szene in Wildes Bühnenfassung; und nimmt selbst in Richard Strauss‘ auf Wildes Texten basierende Oper fast zehn Prozent der gesamten Handlung in Anspruch.

Salomé, die ihre Reize gedankenlos zur Schau stellt, bringt ihren Stiefvater Herodes mehr als einmal in Versuchung. Sicher von der Mutter zu oft ermahnt, sich mehr zu bekleiden als offensichtlich, schert sie sich wenig um die aufgeladene Luft im Palast. Sie ist fasziniert vom Täufer Johannes, Jochanaan, dessen Stimme aus seinem Verließ Unheil über Palast und königliche Familie prophezeit. Sie klingt so anders, so interessant. Überhaupt ist dieser enigmatische Mann ein Ruf aus tiefstem Bauch nach zu erkundender Lust; und er weckt Verlangen, erblühendes gieriges erschreckendes Verlangen.

Ein Kreis enttäuschter Begierden schließt sich, wenn Herodias nicht länger Herodes betört, Jochanaan Herodias verflucht, Salomé Jochanaan nicht gewinnen kann, und Herodes kurzer Lustgewinn durch Salomés Tanz zum Verlust seines und aller Heil gereicht.
Alle Verbindungen sind am Ende gekappt.

„Man sagt, dass die Liebe einen bitteren Geschmack hat… Allein, was tut’s.“

O. Wilde Salomé von Oscar Wilde: Erotisch, frivol, ein Skandal!

 

Besetzung:
Salomé:…… Anne Patzer (21., 23., 28. September; 5., 6. Oktober 2018)
Salomé:…… Marina Tinz (Termine folgen)
Herodias: Saskia Schmidt-Enders
Herodes:…. Stephan Joachim
Jochanaan: Victor Schmidt

Vorstellungen in der Kulturdornse:
21. September 2018 Premiere
23. & 28 September 2018,
5. & 6. Oktober 2018
Beginn jeweils um 20 Uhr

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