/// Proserpina

Proserpina tritt auf als Königin der Unterwelt, als Plutos geraubte Gattin, noch ganz im ersten Schrecken über das Begegnis; ermattet vom Umherirren in der wüsten Öde des Orkus, hält sie ihren Fuß an, den Zustand zu übersehen, in dem sie sich befindet.
Ein Rückblick in den unlängst verlornen läßt sie noch einmal die unschuldige Wonne desselben fühlen.
Sie entladet sich des lästigen Schmucks der ihr verhaßten Frauen- und Königswürde.
Sie ist wieder das reizende, liebliche, mit Blumen spielende Götterkind, wie sie es unter ihren Gespielinnen war; der ganze idyllische Zustand tritt mit ihrer Nymphengestalt uns vor Augen, in welcher sie die Liebe des Gottes reizte und ihn zum Raube begeisterte.
Unglücklich, seine Gattin zu sein, unglücklich, über Schatten zu herrschen, deren Leiden sie nicht abhelfen, deren Freuden sie nicht teilen kann, wendet sie ihr bedrängtes Herz zu ihrer göttlichen Mutter, zu Vater Zeus, der die Verhängnisse, wenn auch nicht aufhebt, doch zu lenken vermag; Hoffnung scheint sich zu ihr herabzuneigen und ihr den Ausgang zum Licht zu eröffnen.
Ihr erheiterter Blick entdeckt zuerst die Spuren einer höhern Vegetation.
Die Erscheinung ihrer Lieblingsfrucht, ein Granatbaum, versetzt ihren Geist wieder in jene glücklichen Regionen der Oberwelt, die sie verlassen.
Die freundliche Frucht ist ihr ein Vorbote himmlischer Gärten. Sie kann sich nicht enthalten, von dieser Lieblingsfrucht zu genießen, die sie an alle verlass’ne Freuden erinnert.
Weh der Getäuschten!
Was ihr als Unterpfand der Befreiung erschien, urplötzlich wirkt es als magische Verschreibung, die sie unauflöslich dem Orkus verhaftet. Sie fühlt die plötzliche Entscheidung in ihrem Innersten. Angst, Verzweiflung, der Huldigungsgruß der Parzen, alles steigert sie wieder in den Zustand der Königin, den sie abgelegt glaubte: sie ist die Königin der Schatten, unwiderruflich ist sie es; sie ist die Gattin des Verhaßten, nicht in Liebe, in ewigem Haß mit ihm verbunden.
Und in dieser Gesinnung nimmt sie von seinem Throne den unwilligen Besitz.

(Johann Wolfgang v. Goethe)

 

Genießen Sie das Monodrama von Goethe bei einem guten Schluck in exklusiven Ambiente.

Mit
Carla Gesikiewicz
Stephan Joachim

Altersempfehlung: Ab 12 Jahren.

TERMINE:
Samstag, 31. August 2019 / 20 Uhr
Sonntag, 1. September 2019 / 16 Uhr
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Freitag, 6. September 2019 / 20 Uhr
Samstag, 7. September 2019 / 20 Uhr
Freitag, 20. September 2019 / 20 Uhr
Samstag, 21. September 2019 / 20 Uhr